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Augsburg, 19. Oktober 2014

Die Ausbildung wissenschaftlichen Nachwuchses – eine Herausforderung liberaler Politik

Präambel
Die Ausbildung wissenschaftlichen Nachwuchses gehört zu den wesentlichen Aufgaben der Hochschulen. Langfristig lässt sich der Wissensstandort Deutschland nur erhalten, wenn es gelingt die besten Köpfe heranzuziehen und im Land zu halten.
Den Ansehensverlust, den in den letzten Jahren die deutsche Hochschullandschaft durch das Aufdecken verschiedener Plagiate – insbesondere bei promovierten Politikern – erlitten hat, ist daher sehr zu bedauern. Es ist Aufgabe der Politik, wie auch der Hochschulen, Mechanismen zu entwickeln, die zu freien und transparenten Promotionsbedingungen beitragen, und so dem Entstehen von Plagiaten aktiv entgegenwirken. Ziel liberaler Politik muss es dabei sein, einer möglichen Bürokratisierung nicht den Mund zu reden und auch klar Stellung gegen jede Form der Regulierung oder Zentralisierung des Promotionsrechts zu beziehen. Promovierende und Dozenten wissen am besten, welche Bedingungen sie sich selbst zur Promotion auferlegen.
Zudem muss die Chance für Wissenschaftler, denen es während ihrer Kariere an einer Hochschule nicht gelungen ist, einen festen Platz als Professor oder Dozent zu erlangen, eine Anstellung in der Wirtschaft zu bekommen, erhöht werden. Vor allem Habilitierte leiden oft unter schlechten Arbeitsbedingungen an Hochschulen oder gleiten gar in die Arbeitslosigkeit ab.
Die aufgeworfenen Missstände vor dem Hintergrund der Freiheit des Einzelnen, wie der Hochschulautonomie zu beseitigen, stellt eine große Herausforderung für liberale Politik dar.

§1 Promovieren in Freiheit
Trotz aller Probleme, die für Promovenden wie Betreuende immer wieder auftreten, gilt es zu betonen, dass die Liberalen Hochschulgruppen sich grundsätzlich zum stark deregulierten Rahmen für Promotionen bekennen.
So stellt eine Promotion einen höchstpersönlichen Akt zwischen Studenten und Professor dar. Sie regeln die Bedingungen, die sie der Promotion zu Grunde legen selbst und eigenverantwortlich. Sollte es aus welchen Gründen auch immer zu Problemen zwischen dem Professor und dem Studenten kommen, besteht für den Studenten die Möglichkeit, den Betreuer zu wechseln.
Trotzdem ist es immer wieder zu Missbrauch dieses an sich guten Modells gekommen. Betreuer haben die Freiheit missbraucht und von den Promotionsstudenten von der Promotion unabhängige Leistungen, wie Arbeiten am eigenen Haus oder im Garten erwartet. Ebenso haben Studenten, die plagiiert haben, oder ihre Arbeit von Ghostwritern haben schreiben lassen, die ihnen zugedachte Freiheit missbraucht.
Trotzdem fordern die Liberalen Hochschulgruppen keine Einführung eines neuen Straftatbestandes oder gar eine Regulierung des Promotionsrechts. Vielmehr soll den Problemen durch eine Pflicht zur Transparenz begegnet werden. Konkret bedeutet das, dass Betreuer und Student sich frei auf Grundbedingungen einigen, die Form und Art des wissenschaftlichen Standards festlegen und den zeitlichen wie inhaltlichen Rahmen bestimmen. Das betreffende Vertragswerk muss beiden ausgehändigt werden, und ebenso in einer dafür vorgesehen Stelle an der Hochschule verwahrt werden. Ferner muss der Professor alle bei ihm Promovierenden oder Habilitierenden auf seiner Homepage mit Thema ausweisen. Entscheidend ist auch, dass Klarheit über Bestehens- wie Abbrecherquoten besteht. Dies kann auch ein Qualitätskriterium für den betreffenden Professor darstellen, denn hohe Abbrecherquoten können auch auf eine schlechte Betreuung hindeuten. Neben den genannten Quoten, müssen auf der benannten Internetseite auch die Promovierten benannt werden, die ihren Doktortitel entzogen bekommen haben, denn auch dies ist Ausweis für die Qualität der Betreuung. Außerdem wird so der Betreuer dazu motiviert, durch mündliche Abfragen oder eine strengere Kontrolle, sicherzustellen, dass der Student keine externe Hilfe in Anspruch nimmt. Die Betreuung kann nicht mehr Post-Docs oder anderen wissenschaftlichen Mittarbeitern des Professors überlassen werden.

§2 Lektordienste im Auge behalten – Ghostwriter stoppen!
Zwar ist es nicht möglich, Ghostwriter gänzlich das Handwerk zu legen, da sie kaum aufzudecken sind. Aber Dienstleister, die mehr oder weniger offen die ‚Betreuung‘ von Promotionen – etwa über das Internet – anbieten, müssen gestoppt werden. Einzig der Professor ist für die Betreuung der Promotion zuständig. Natürlich kann der Promovend Hilfe bei Lektoraten zur Verbesserung der Sprache einholen, inhaltliche Überarbeitungen oder gar das Schreiben einzelner Passagen oder gar der ganzen Arbeit, ist aber natürlich nicht gestattet. Dienstleiter, die im Verdacht stehen derartige Serviceleistungen anzubieten, müssen überprüft werden und im Zweifel mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen.

§3 Was kommt nach der Habilitation? – Aussichten für deutsche Wissenschaftler verbessern
An deutschen Universitäten gibt es eine große Anzahl von hoch qualifizierten Wissenschaftlern, welche als Professoren oder aber auch als ‚Privatdozenten‘ resp. ‚außerplanmäßige Professoren‘ tätig sind.
Auf Grund der begrenzten Professuren wird nicht jedem Habilitierten eine Professur angeboten. Im schlimmsten Fall nie. Alleine für Bayern wird daher von bis zu 500 arbeitslosen Habilitierten ausgegangen. Dieser Zustand ist nicht tragbar, zum einen gehen Bayern dadurch zahlreiche hochqualifizierte Fachkräfte verloren, zum anderen stellt es ein Armutszeugnis für die Hochschullandschaft dar, dass es keinen Platz für diese Wissenschaftler gibt. Daher sind Maßnahmen notwendig, um die Chancen für besagte Wissenschaftler auf dem Arbeitsmarkt aber auch im Wissenschaftsbetrieb zu verbessern.

a)    Den Ausstieg in den freien Markt vereinfachen
Nicht wenige Habilitierte versuchen nach einer gewissen Zeit ohne Professur ihr Glück in der freien Wirtschaft. Eine Vielzahl von Ihnen sieht sich allerdings mit dem Problem konfrontiert, für entsprechende Arbeitgeber überqualifiziert zu sein. Dies liegt vor allem an der Tatsache, dass diese während der Zeit an der Universität keine Praxiserfahrung sammeln und keine Beratung bekommen, welche Anforderungen an sie in der freien Wirtschaft gestellt werden. 
Nach Ansicht der Liberalen Hochschulgruppen Bayern müssen Beratungseinrichtungen für Habilitierte eingerichtet werden, um diesen den Ausstieg aus dem universitären Leben zu ermöglichen.
Hierzu sind ‚placement offices‘ nach amerikanischen Vorbild einzurichten, welche Wissenschaftlern während Ihres Daseins als "Privatdozenten" resp. "außerplanmäßige Professoren" betreuen und beim Ausstieg helfen resp. diese an potentielle Arbeitgeber weitervermitteln. In diesen Einrichtungen können die Wissenschaftler auch über Weiterbildungskurse sich auf die berufliche Realität vorbereiten.

b)    Finanzielle Situation verbessern
In einer stark einkommens- und konsumorientierten Gesellschaft lässt es niemanden in seinem Lebensgefühl unberührt, wenn man für den Job, für welchen man am besten qualifiziert ist, kaum oder nicht bezahlt wird. Doch bei Wissenschaftlern, die keine feste Anstellung an einer Hochschule haben, ist genau dies der Fall.
Die Liberalen Hochschulgruppen Bayern fordern daher die Wiedereinführung der Hörergelder, welche nach dem zweiten Weltkrieg mit der Einführung der Lehrmittelfreiheit abgeschafft wurden. Entscheiden sich Studenten für die Teilnahme an einer Veranstaltung eines Dozenten, der keine Feststellung genießt, darf es diesem erlaubt sein, dafür Geld zu verlangen. Allerdings muss das Lehrangebot so ausgestaltet werden, dass Studenten, die sich dieses Höhrgeld nicht leisten können, die Möglichkeit haben, gleichwertige Veranstaltungen besuchen zu können und sich so der Studienverlauf nicht verzögert bzw. keine Pflichtveranstaltungen betroffen sind. Bei Einführung von nachgelagerten Studienbeiträgen müssen die Hörgelder wegfallen.

Benjamin Roth, Max Funke-Kaiser


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