Die LHG Bayern begrüßt die Novelle des Bayerischen Hochschulgesetzes, wie sie im Oktober 2010 von der Bayerischen Staatsregierung beschlossen wurde. Die geplante Gesetzesänderung fügt sich in eine Reihe von positiven Fortentwicklungen im bayerischen Hochschulrecht ein, auch wenn es Aspekte gibt, die kritisch zu begleiten sind.
Besonders hervorzuheben sind folgende Punkte:

Ausbau berufsbegleitender Studiengänge

Begrüßenswert ist der Ausbau berufsbegleitender Studiengänge, da er zu einer weiteren Öffnung des Bildungssystems für Berufstätige führt. Klar ist, dass der entstehende organisatorische Mehraufwand (Präsenzveranstaltungen in den Abendstunden und Wochenenden, Blockkurse, virtuelle Lehrangebote) durch Gebühren, die in ihrer Höhe die derzeitigen Studienbeiträge überschreiten werden, gegenfinanziert werden muss. Damit ist aber keine soziale Selektion oder eine Auseinanderentwicklung hinsichtlich der finanziellen Ausstattung von herkömmlichen und berufsbegleitenden Studiengängen zu erwarten. Denn diese Gebühren mit einer geplanten Maximalhöhe von 2.000 Euro pro Semester knüpfen (im Unterschied zu Studienbeiträgen) an einem konkreten Mehraufwand an; zudem können sie durch einen Studierenden, der eine Berufsausbildung abgeschlossen hat und über ein regelmäßiges Einkommen verfügt, angemessen bestritten werden. Durch die Gebührenfinanzierung wird es erst möglich, flächendeckend attraktive berufsbegleitende Studiengänge einzuführen. Damit ist ein wichtiger Schritt hin zu einem lang überfälligen (Leistungs-)Wettbewerb mit privaten Hochschulen um berufstätige Studierende getan.

Flexibilisierung von Studienangeboten – Modulstudien

Ein weitere Neuerung sind die sog. Modulstudien. Es soll in Zukunft möglich sein, sich für einzelne Module eines Studiengangs einzuschreiben, um die Leistungen in einem sich anschließenden Studium zu verwerten. Unter dem Aspekt des lebenslangen Lernens ist dies zu begrüßen, solange dadurch nicht wesentliche Inhalte des Studiums „ausgelagert“ und Qualitätsstandards unterlaufen werden. Das neue BayHSchG steckt nur den Rahmen für die Modulstudien ab; die konkrete Ausgestaltung obliegt den Universitäten, was sich positiv auf die Profilbildung der Hochschulen und Wettbewerb untereinander auswirken dürfte.

Ausweitung des Promotionsrechts

Durch das neue BayHSchG sollen auch Kunsthochschulen das Promotionsrecht erhalten. Die derzeit schon erfolgreich praktizierte Form der „kooperativen Promotion“ in Zusammenarbeit von Fachhochschulen und Universitäten wird ins Gesetz aufgenommen und der näheren Ausgestaltung durch die Satzungen der Universitäten überlassen. Darin eine Nivellierung der Unterschiede zwischen Universitäten und Fachhochschulen zu sehen, ist sachlich unzutreffend – Fachhochschulen haben nach wie vor kein grundständiges Promotionsrecht. Auch wertungsmäßig ist die de facto Ausweitung des Promotionsrechts für Fachhochschulen positiv zu beurteilen: Gerade im Bereich Ingenieurs- und Naturwissenschaften sollte das Kooperationsmodell aus seinem Nischendasein geführt werden, zum einen, da für den einzelnen Studierenden an Fachhochschulen institutionelle Barrieren abgebaut werden und er seine, vielleicht erst im Studium entdeckten Fähigkeiten und seine Freue an wissenschaftlicher Arbeit verwirklichen kann; zum anderen, da durch die Stärkung der kooperativen Promotion ein Austausch zwischen Universitäten und Fachhochschulen gefördert wird.

Forschungsprofessuren

Des Weiteren regelt des BayHSchG künftig ausdrücklich die Möglichkeit, an den Hochschulen reine Forschungsprofessuren, also Professuren ohne Lehrauftrag, befristet einzurichten. Die LHG Bayern betrachtet dies unter dem Aspekt eines möglicherweise verschlechterten Betreuungsverhältnisses und dem teilweisen Aufbruch der Einheit aus Forschung und Lehre durchaus kritisch. Andererseits reagiert der Gesetzentwurf damit nur auf die Realität an deutschen Hochschulen, an denen es bereits Forschungsprofessuren gibt. Gerade für Fachhochschulen mit ihrem anwendungsbezogenen Forschungsauftrag bei gleichzeitig hohem Lehrdeputat für die Professoren kann die Forschungsprofessur zu einer intensiveren Vernetzung zwischen Wirtschaft und Forschung sowie attraktiveren Karrieremöglichkeiten führen.